Die Baupiloten aus Berlin
Konzeptionell ganz weit vorne sind die “Baupiloten” aus Berlin. Das Architekturbüro entwirft Schulgebäude - zusammen mit den Kindern der Schule. Im Ergebnis werden die Entwürfe der Kinder und Jugendlichen professionell und im Maßstab 1:1 realisiert.

Carl Bolle Grundschule, Berlin
Die Baupiloten nennen ihre Methode “partizipatives Entwerfen“. Darüber steht auf der Webseite:
“Raumatmosphären werden durch die Baupiloten als partizipative Entwurfsstrategie eingesetzt. Sie sind gute Mittel der Kommunikation zwischen Architekten und Bauherren, denn die Erörterung von erlebten und gewünschten Atmosphären umgeht den festgelegten Code einer oft für Laien schwer verständlichen architektonischen Zeichnung. Dieses Verfahren ermöglicht es, auch komplexe, oft unbewusste oder schwer kommunizierbare Bedürfnisse zum Ausdruck zu bringen. Es fördert eine multikulturelle Kommunikation und erleichtert die Identifikation mit der gebauten Umwelt. Je nach Nutzer und deren Alter werden unterschiedliche Partizipationsmodelle erarbeitet.”
Das klingt zunächst nach trockener Theorie. In der Praxis jedoch führt das zu wundervoll unverwechselbaren, kraftvollen und bunten Bauwerken und Innenraumgestaltungen, die meist im Bildungsbereich angesiedelt sind: also vom Kindergarten bis zur Universität. Dabei werden aus tristen Schulbauten inspirierende Objekte, die Verspielt sind, und denen man Abkauft, dass es sich um eine Lernumgebung handelt.

Erika Mann Grundschule, Berlin
Auch ökologische Faktoren spielen für die Baupiloten eine Rolle:
“Die Baupiloten setzen sich dafür ein, dass ökologisch nachhaltige und energiebewusste Architektur nicht langweilig und enthaltsam ist. Neben Energieeinsparung durch umweltbewusstes Entwerfen und energetisches Sanieren sowie dem Einsatz erneuerbarer Energiequellen werden ebenso Aspekte der Forschung, der Pädagogik und Naturerlebnisse beachtet. Ökologische Komponenten der Entwürfe können durch ausdrückliches Sichtbarmachen pädagogisch wirksam sein und damit ein ökologisches Bewusstsein durch die Benutzung der Architektur wecken.”
Gestaltung neu denken!
Man kann mit recht sagen, dass die Bilder für sich selbst sprechen. Der Raum dieser Schulen (und Kindergärten) sieht aus wie gelebter Raum, erlebbarer Raum, lebendiger Raum: bunt, verspielt und unbeschwert. Auf einem Bild entdeckte ich sogar eine Art “Saiten-Musikinstrument”, dass sicherlich um Vorbeigehen immer wieder Ausdruck und Kreation ins Bewusstsein der Kinder und Lehrer rückt. Würde es mehr Räume dieser Art geben, wäre für mehr Erlebnis gesorgt. Bleibt einzig und allen die Frage… wie “haltbar” ist dieser Architektur? Oder muss sie immer wieder neu erfunden werden?

Erika Mann Grundschule, Berlin
Einen guten Einblick in die Arbeit dieses Teams erhält man in diesem (leider englischsprachingen) Podcast aus dem Hause des Gestalten-Verlags. (via)
Bilder mit freundlicher Genehmigung von Jan Bitter.
Artikel geschrieben von 020200.