Do-it-yourself in einer Welt ohne Wachstum?

Volkswirt Niko Paech postuliert in kurzen und knappen Sätzen, das das Wachstum in der Welt in etwa 15 Jahren zu Ende sein wird. Gegenüber Die Zeit sagte er in einem Interview:

Paech: Die Internationale Energieagentur hat im vergangenen Herbst erstmals prognostiziert, dass der Preis für ein Barrel Rohöl bald bei über 200 Dollar liegen wird. Das ist ein Paukenschlag, den wegen der Finanzkrise nur niemand wahrgenommen hat. Ein so hoher Ölpreis bedeutet, dass nicht nur Benzin und Kerosin, sondern auch alle Produkte so teuer werden, dass es der Wirtschaft schwerfallen wird, noch zu wachsen. Bundespräsident Horst Köhler hatte schon recht, als er in seiner Berliner Rede sagte, wir müssten das Wachstums-Postulat überdenken.

ZEIT: Und was für eine Wirtschaft kommt nach dem Wachstum?

Paech: Eine Post-Wachstums-Ökonomie. Wir werden anfangen, unser Leben zu entrümpeln und zu entschleunigen. Wir werden auf Fernreisen verzichten und wieder mehr Produkte aus der Region kaufen, weil die nicht so hohe Transportkosten verursachen. Wir werden Produkte länger nutzen, sie reparieren und pflegen und sie lieber gebraucht kaufen als neu. Wir werden Knöpfe selber annähen und Fahrräder eigenhändig reparieren. Vielleicht wird das sogar Spaß machen.

Wem das etwas zu klassisch Ökotheorie-lastig erscheint, der lese diesen Rundumschlag aktueller Theorien und logischer Argumente, die gegen ein Wachstum sprechen (ebenfalls aus Die Zeit). Hierraus:

Ein Mensch benötigt zum Leben etwa 2500 Kilokalorien, ein paar Liter Wasser und etwas Sauerstoff. Er benötigt das jeden Tag, in jedem Jahr. Er braucht nicht morgen mehr als heute und übermorgen noch mehr. Warum muss das anders sein, wenn es um Unternehmen und Konzerne geht? Warum muss Opel immer mehr Autos verkaufen? Warum brauchen wir immer mehr Besitz, mehr Gewinn? Warum brauchen wir unbedingt Wirtschaftswachstum?
(…)
Wachstum macht tatsächlich glücklich, aber nur, wenn man sehr wenig besitzt, wenn es um die ersten großen Sprünge geht. Auto statt Fahrrad, Wohnung statt WG-Zimmer, Waschmaschine statt Waschsalon. Ab einem gewissen Niveau hebt das Wirtschaftswachstum die Zufriedenheit nicht mehr.

Artikel geschrieben von 020200.